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Krisenmanagement bei ERP-Projekten: Strategien, Methoden und Praxis-Tipps eines ERP-Experten


ERP-Projekte gehören zu den anspruchsvollsten Transformationsvorhaben in Unternehmen. Sie betreffen nicht nur die IT, sondern verändern Prozesse, Rollen, Verantwortlichkeiten und häufig auch die Unternehmenskultur. Entsprechend gravierend sind die Auswirkungen, wenn ein ERP-Projekt in eine Schieflage gerät. In unserer Beratungspraxis bei Everware Consulting begleiten wir seit vielen Jahren sowohl internationale ERP-Rollouts als auch komplexe Sanierungs- und Rettungsprojekte. Die zentrale Erkenntnis dabei: ERP-Krisen sind beherrschbar – aber nur mit konsequentem, professionellem Krisenmanagement. 


Dieser Beitrag beleuchtet das Thema Krisenmanagement bei ERP-Projekten deutlich tiefergehend. Er zeigt typische Eskalationsmuster, beschreibt strukturierte Vorgehensmodelle und gibt konkrete, erprobte Handlungsempfehlungen für Entscheider, Projektleiter und Fachverantwortliche. 

 

1. ERP-Projektkrisen: Definition und Einordnung 

Nicht jedes Problem oder jede Verzögerung ist automatisch eine Krise. Von einer ERP-Projektkrise sprechen wir dann, wenn mindestens eines der folgenden Merkmale vorliegt: 

  • zentrale Projektziele (Zeit, Budget, Qualität, Nutzen) sind akut gefährdet oder bereits verfehlt 

  • das Vertrauen von Management, Fachbereichen oder Anwendern schwindet deutlich 

  • Entscheidungsprozesse funktionieren nicht mehr 

  • Konflikte dominieren die Projektarbeit 

  • das Projektteam ist dauerhaft überlastet oder demotiviert 

Wichtig ist die Abgrenzung zwischen operativen Projektproblemen und einer strukturellen Krise. Letztere erfordert ein grundsätzlich anderes Vorgehen als klassisches Projektmanagement. 

 

2. Typische Frühwarnsignale – wann Sie handeln sollten 

ERP-Projekte senden in der Regel frühzeitig Warnsignale aus. Zu den häufigsten Indikatoren zählen: 

  • ständig verschobene Meilensteine ohne nachhaltige Ursachenanalyse 

  • steigende Anzahl von Change Requests ohne klare Priorisierung 

  • inkonsistente Aussagen zum Projektstatus 

  • zunehmende Testabbrüche und hohe Fehlerraten 

  • sinkende Teilnahme an Projektmeetings 

  • offene oder verdeckte Konflikte zwischen Business, IT und Implementierungspartner 

Expertenhinweis: Je früher diese Signale ernst genommen werden, desto geringer sind die Kosten und organisatorischen Schäden einer späteren Stabilisierung. 

 

3. Hauptursachen von ERP-Projektkrisen – eine tiefere Analyse 

3.1 Strategische Fehlannahmen 

Viele Krisen entstehen bereits vor dem eigentlichen Projektstart. Typische Beispiele sind: 

  • unrealistische Business Cases 

  • politisch motivierte Systementscheidungen 

  • unklare Definition des erwarteten Geschäftsnutzens 

Ein ERP-System ist kein Selbstzweck. Fehlt die klare Verbindung zur Unternehmensstrategie, verliert das Projekt schnell seine Legitimation. 

3.2 Unzureichende Governance-Strukturen 

Fehlende Entscheidungsgremien, unklare Eskalationswege oder nicht abgestimmte Verantwortlichkeiten führen dazu, dass Konflikte nicht gelöst, sondern vertagt werden. 

3.3 Defizite im Anforderungs- und Prozessmanagement 

Unvollständige Prozessanalysen, fehlende End-to-End-Sicht und mangelnde Priorisierung sind klassische Krisentreiber. Besonders kritisch wird es, wenn: 

  • Fachbereiche widersprüchliche Anforderungen formulieren 

  • Prozesse nicht harmonisiert, sondern technisch „nachgebaut“ werden 

  • gesetzliche oder regulatorische Anforderungen unterschätzt werden 

3.4 Ressourcen- und Kompetenzprobleme 

ERP-Projekte scheitern selten an Technologie, sondern an Menschen und Organisation. Häufige Probleme sind: 

  • fehlende Verfügbarkeit von Key Usern 

  • unerfahrene Projektleiter 

  • zu starke Abhängigkeit vom Implementierungspartner 

3.5 Unzureichendes Change Management 

Widerstände gegen neue Prozesse und Systeme sind normal. Werden sie ignoriert, manifestieren sie sich in Verzögerungen, Qualitätsproblemen und Akzeptanzverlust. 

 

4. Systematisches Krisenmanagement: Bewährtes Vorgehensmodell 

4.1 Phase 1: Objektive Standortbestimmung 

Am Beginn jeder Stabilisierung steht eine faktenbasierte Analyse: 

  • Projektstatus (Zeit, Budget, Scope) 

  • Qualität von Lösung, Architektur und Daten 

  • Projektorganisation und Governance 

  • Risikolage und Abhängigkeiten 

Hier hat sich ein unabhängiger ERP-Projekt-Check als besonders wirkungsvoll erwiesen. Kontaktieren Sie uns diesbezüglich jederzeit gerne! 

4.2 Phase 2: Entscheidungsrelevante Transparenz schaffen 

Die Analyseergebnisse müssen klar, verständlich und ungefiltert an das Management kommuniziert werden. Beschönigungen verzögern notwendige Entscheidungen. 

4.3 Phase 3: Strategische Neuausrichtung 

In vielen Krisenprojekten sind grundlegende Weichenstellungen notwendig: 

  • Go-Live-Verschiebung vs. Funktionsreduktion 

  • Anpassung der Rollout-Strategie 

  • Austausch von Schlüsselrollen 

Diese Entscheidungen sind unbequem, aber oft alternativlos. 


4.4 Phase 4: Operative Stabilisierung 

Typische Maßnahmen in dieser Phase sind: 

  • Re-Planung mit realistischen Annahmen 

  • Fokussierung auf geschäftskritische Prozesse 

  • Einführung klarer Qualitäts- und Abnahmekriterien 


4.5 Phase 5: Nachhaltige Absicherung 

Nach der akuten Krisenbewältigung muss das Projekt langfristig stabilisiert werden, um Rückfälle zu vermeiden. 

 

5. Rolle des Top-Managements in der ERP-Krise 

Ohne aktives Engagement des Managements ist kein Krisenprojekt zu retten. Führungskräfte müssen: 

  • klare Prioritäten setzen 

  • Entscheidungen treffen und vertreten 

  • dem Projekt Rückendeckung geben 

  • Konflikte aktiv moderieren 

Ein ERP-Projekt ist immer auch ein Führungsprojekt. 

 

6. Externe Unterstützung als Katalysator 

Externe ERP-Experten bringen in Krisensituationen einen entscheidenden Vorteil: Neutralität, Erfahrung und Durchsetzungskraft. Sie können: 

  • Konflikte entpolitisieren 

  • realistische Szenarien aufzeigen 

  • Best Practices aus vergleichbaren Projekten einbringen 

Everware Consulting unterstützt Unternehmen gezielt bei der Analyse, Stabilisierung und erfolgreichen Neuausrichtung von ERP-Projekten – herstellerunabhängig und mit klarem Fokus auf nachhaltigen Geschäftsnutzen. 

 

7. Fazit: ERP-Krisen als Wendepunkt nutzen 

ERP-Projektkrisen sind schmerzhaft, aber sie bieten auch die Chance zur Kurskorrektur. Unternehmen, die den Mut haben, Probleme offen zu benennen und konsequent zu handeln, schaffen häufig bessere Ergebnisse als ursprünglich geplant. 

Professionelles Krisenmanagement unterscheidet erfolgreiche ERP-Transformationen von gescheiterten Großprojekten. Mit Erfahrung, klarer Methodik und starker Führung lassen sich selbst hochkritische Situationen wieder in kontrollierte Bahnen lenken. 

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